Es gibt einen Punkt, den viele beim Verkauf ihrer Bücher vollkommen außer Acht lassen: Zielgruppe und Emotionen. Begeisterung und Motivation. Historie und das richtige Timing.

Um es auf den Punkt zu bringen: Liebhaber zahlen auch für gebrauchte Bücher zu besonderen Anlässen aufgrund emotionaler Bindungen und/oder purer Nostalgie häufig deutlich höhere Preise, während der Markt sie allgemein als weitestgehend wertlos einstuft. Aber Wert lässt sich nun einmal nicht ausschließlich in Euro bemessen.

Aus aktuellem Anlass

Eine Suchanfrage bei rebuy.de ergab am 24.05.2012 folgendes Angebot:

image

Gleichzeitig wird das Buch bei Amazon ausschließlich gebraucht verkauft, wobei sich die Angebote sich zwischen – festhalten – 39,99 Euro und 77,77 Euro bewegen!

Wie kommt das?

Kuckucksei von Clifford Stoll

Die spannende Jagd, mit der Clifford Stoll 1986 einem deutschen Hacker auf die Spur kam, der militärische Geheimnisse an das KGB verriet, führt uns zurück in die frühen, wilden Pionierjahre des Internet.

Der Hacker, um den es hier geht, ist niemand anderer als Karl Koch. Spätestens seit dem Kinofilm 23 – nichts ist so wie es scheint von 1998 dürfte sein Name auch der heutigen Generation bekannt geworden sein. Karl Koch wurde vor allem durch den sogenannten KGB-Hack bekannt, bei dem Geheimnisse gehackter Computer an den KGB veräußert wurden.

Während der Film die Geschehnisse aus der Perspektive von Karl Koch wiedergibt, hat Clifford Stoll mit dem Buch Kuckucksei von der anderen Seite des großen Teiches aus seine eigenen Erlebnisse beschrieben, die mit einem Abrechnungsfehler von 75 Cent beginnen und der Festnahme von Karl Koch enden.

Drei Jahre danach, vor genau 23 Jahren, wurde die Leiche von dem damals 23 Jahre alten Karl Koch verbrannt in einem Waldstück aufgefunden. Bis heute sind die genauen Umstände ungeklärt; für Verschwörungstheoretiker bis heute ein gefundenes Fressen. Kurz vor seinem Tod hatte Koch angekündigt öffentlich auszupacken, doch dann kam alles anders.

stanOhne groß auf das Buch weiter einzugehen (dies ist keine Rezension; ansonsten gäbe ich ihm 5 von 5 Sternen und würde eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen), ist das ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Aktualität, Nostalgie, und Historie immer wieder Gründe dafür sein können, genauer hinzuschauen, bevor man ein Buch für 30 Cent an Stan, den wild gestikulierenden Gebrauchtbuchhändler verkauft.

Im übrigen habe ich ein recht gut erhaltenes Exemplar von Kuckucksei. Und das gebe ich garantiert nicht her. Auch nicht für 77,77 Euro. Zwinkerndes Smiley

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.