Vor einigen Tagen habe ich bereits über den Blauen Adventskalender von Conrad berichtet. Ein tolles Ding! Kurz darauf konnte ich es nicht lassen und habe mit den ebenfalls bei Conrad erhältlichen Grünen Adventskalender vom Francis Verlag bestellt. Thema hier: Ein “Retro-Radio”. Dahinter steckt natürlich wieder einmal Burkhard Kainka (danke Burkhard!).

009Das Prinzip ist das Gleiche wie beim Blauen Adventskalender: Von Tag zu Tag gibt es ein weiteres elektronisches Bauteil, mit dem auf einem Labor-Steckbrett nach und nach ein Mittelwellen-Empfänger entsteht. Das bringt schon einmal enorm Spaß und der Lerneffekt ist ebenfalls groß.

Der Clou dabei:

Die Rückseite ist wie der Rest des Kalenders aus sehr stabiler Pappe und darüber hinaus bedruckt mit einem Faltmuster für ein Radio-Gehäuse. Da hat mal einer mitgedacht! Ich habe allerdings festgestellt, dass daraus ein tatsächliches Gehäuse zu bauen nicht so einfach ist, wie es ausschaut:

Probleme:

  • Dicke Pappe lässt sich schwer (sauber) falten.
  • Ein Pritt-Klebestifft funktioniert nicht wirklich gut auf Glanzdruck.
  • Den Lautsprecher würde ich nicht von Innen auf die Pappe kleben wollen.
  • Durch die dicke Pappe hört man zunächst einmal gar nichts mehr aus dem Lautsprecher.
  • Wie kommt das Radio in das Gehäuse?

Zusätzlich zu den Ideen, die ich umsetzen konnte (dazu komme ich gleich), hat mich auch ein Beitrag auf der Seite von Burkhard inspiriert (Stichwort: “Service-Schublade”. Genial!).

Problem: Dicke Pappe lässt sich schwer (sauber) falten

Lösung: Auf der Seite, die man umknicken möchte einfach mit einem Teppichmesser vorsichtig die Oberfläche einritzen. Am besten zieht man dazu das Messer entlang eines Lineals mit leichtem Druck über den Glanzdruck und danach sollte sich die Pappe auch leicht falten lassen.

Problem: Den Lautsprecher würde ich nicht von Innen auf die Pappe kleben wollen.

001Lösung: Aus den Restschnipseln der Rückwand lässt sich sehr einfach eine Schiene basteln, in die man den Lautsprecher schieben kann. Dazu schneidet man einfach vier Streifen (jeweils zwei ca. 1cm x 5cm und jeweils zwei ca. 0,5cm x 5cm) und klebt sie so übereinander wie auf dem Bild zu sehen.

Der breite Streifen Pappe wird nun entlang des daraufgeklebten schmalen Streifens mit dem Teppichmesser leicht eingeritzt, damit man ihn leicht abknicken kann.

002Die schmalen Streifen werden nun so von Innen in das Gehäuse geklebt, dass der Lautsprecher zum Schluss einfach dazwischen geschoben werden kann. Am besten markiert man sich mit einem Bleistift einen Punkt bis zu dem man den Lautsprecher schieben muss, damit er so ausgerichtet ist, wie man ihn gerne hätte.

Problem: Durch die dicke Pappe hört man zunächst einmal gar nichts mehr aus dem Lautsprecher.

Lösung: Dazu kann es helfen, einfach ein paar Schlitze in die Pappe zu schneiden. Aber auf die Idee seid ihr bestimmt schon selbst gekommen, oder?

Problem: Ein Pritt-Klebestift funktioniert nicht wirklich gut auf Glanzdruck.

003Lösung: Während ein wenig Geduld, ausreichend Klebe und vermutlich statt eines Pritt-Klebestifts auch einfach Uhu oder irgendein Superkleber prima funktionieren würde, hilft es auch, nach Zusammenpressen der Klebe-Laschen ein weiteres Stück Pappe mit der rauen Pappoberfläche darüber zu kleben, wie auf dem Bild zu sehen ist.

Zusätzlicher Vorteil: Dieses Vorgehen erhöht die Stabilität und sorgt bestimmt für noch mehr Halt als es Flüssigkleber getan hätte (zu mindestens rede ich mir das ein…)

004Das Gleiche funktioniert auch mit den langen Seitenlaschen sehr gut und wenn man es geschickt anstellt, ergibt sich dadurch auch an den Seiten ein besserer Halt für die Einstecklasche.

So langsam nimmt die Sache Form an. Und wie kommt das Radio in das Gehäuse?

Problem: Wie kommt das Radio in das Gehäuse?

005Lösung: Man bastelt sich aus Pappe (die man sonst woher hat) eine Service-Schublade (ich liebe dieses Wort!). Diese lässt sich dann einfach in das Gehäuse schieben und wieder herausziehen. Darauf kann man zum einen das Labor-Steckbrett kleben (auf dessen Rückseite befindet sich ein Klebestreifen) und für das Batteriefach muss wieder der Pritt-Klebestift herhalten.

Sinnvoll wäre es hier auch noch, die Anschlussdrähte des Lautsprechers zu verlängern, damit er im Gehäuse verbleiben kann, wenn man die Service-Schublade rauszieht.

006Da dieses Radio – sobald es fertig zusammengebaut ist – über keinen Sendersuchlauf verfügt, geschweige denn einen Potentiometer, um einen Sender einfach einzustellen, lässt es sich so nun einfach aus dem Gehäuse ziehen, um z.B. die Frequenz abzustimmen (und gegen Staub ist die Schaltung nun auch geschützt).

Nebenbei: Ich habe mit Absicht das Steckbrett auf der Oberseite befestigt, um zum einen die Antenne von dort einfach nach Außen legen zu können und zum anderen dafür zu sorgen, dass die Spulen nicht unbedingt direkt unter dem Lautsprecher sitzen.

007Ich hatte nämlich so das Gefühl, dass der Magnet im Lautsprecher eventuell Einfluss auf deren Induktivität und damit deren Frequenzfilterung hat. Aber vielleicht irre ich mich… ich bin kein Fachmann. Falls das hier ein solcher liest: Bitte unten kommentieren. Smiley

Zu guter Letzt habe ich zwei kleine Löcher in den Deckel gebohrt, um hier zunächst einmal die Schleifenantenne herausführen zu können. Dadurch, dass der Draht ca. 80cm lang ist, lässt sich auch problemlos die Schublade aus dem Gehäuse ziehen, ohne die Antenne jedes Mal abklemmen zu müssen.

008

Damit sind auf jeden Fall die grundsätzlichen Probleme mit dem Gehäuse alle gelöst und ihr könnt euch mit ungestörtem Spaß weiter dem Bau des Radios widmen.

Und wer weiß… ein Ein-/Aus-Schalter würde sich irgendwann nicht schlecht an dem Gehäuse machen… und ein Potentiometer ließe sich auch noch einbauen. Und wenn wir schon dabei sind: In der Schublade ist sogar Platz für ein weiteres Steckbrett. Sendersuchlauf anyone?

Ich warte außerdem noch darauf, dass jemand auf die Idee kommt, das Steckbrett aus dem Blauen Adventskalender hier mit einzubauen und die Schaltung des Radios mit dessen Hilfe um Leuchtdioden, Abschaltautomatik und mehr zu erweitern.

Ich denke, hier gibt es eine Menge Potential für Mods. Smiley

Das Beste gibt’s zum Schluss:

Nachdem Conrad den Preis vor einigen Tagen freundlicherweise von 14,95 Euro bereits auf 10 Euro gesenkt hatte, gibt es den Kalender jetzt aktuell für bereits 7 Euro (ganz nebenbei: Das Steckbrett allein kostet im Einzelkauf bereits mehr…). Wer den Kalender also noch nicht hat: Zuschlagen!

10 comments on “Hello… turn your radio on!”

  1. Ich muss dazu leider auch sagen, dass ich null komma nix empfange. Das finde ich sehr schade, da ich mit viel Elan an die Sache herangegangen und die Schaltungen so ordentlich wie nur möglich aufgebaut habe. Während ich mich damit abgefunden habe, dass wohl im Raum Quickborn keine Ortssender in der Nähe empfangbar sind, hatte ich gehofft, dass ich wenigstens gegen Ende des Kalenders Möglichkeiten bekomme, den Empfang genauer zu justieren. Aber zum einen wollte mir das nicht gelingen und zum anderen hatte ich auch Schwierigkeiten, den Beschreibungen zu folgen.

    Kann irgendjemand von Erfolgen berichten? Kristallklarer Empfang? Ordentliche Lautstärke? Ausserirdische Signale?

    • Wenn du an den Verstärker eine Erdleitung von der Heizung legst, gibt es tollen Empfang das Signal vom Lautsprecher abnehmen und einem PC Lautsprecher zuführen und du hast den schönsten Klang

  2. Bei mir ist bis Törchen 16 nichts gegangen und es war demotivierend. Mit dem Magneten am Tag 16 plötzlich Sprache und Musik. Ich habe folgendes gefunden: (1) die enthaltene Steckplatine macht leider schlechte Kontakte, ich habe sie spätestens am Tag 10 ersetzt durch eine baugleiche, anderer Hersteller, man könnte auch die reguläre von Conrad kaufen. (2) Der Transistor muss mit Beschriftung nordwärts, der IC mit Beschriftung südwärts. (3) Tag 16 um Mitternacht testen. (4) die Drahtschlaufe am Tag 16 ist sehr lange-empfindlich. (5) Schaltungsänderungen am Tag 16, um mehr Empfang und Lautstärke zu bekommen: die Antenne nicht masseseitig, sondern kopfseitig der Impendanz einbauen, oder den Schwingkreis ohne Antenne aufbauen, und die Antenne nur einseitig kopfseitig anschliessen. (6) am Tag 15 bleiben nicht 80cm Antennendraht. Ich habe also eigenen Draht 80cm und 200cm verwendet. Ich bin somit seit 2 Tagen im Tor 16 und glücklich und natürlich gespannt, wie es weitergeht.

  3. Ich habe als radio31dez2011 auf youtube einen Kommentar gemacht, kann man das auf http://www.youtube.com/watch?v=7L8YQjoaNEQ lesen? Ich sehe meinen Kommentar natürlich, aber kann ihn sonst jemand sehen … ?

    Hier ist deshalb eine Kopie:
    Es geht teilweise, aber nicht ganz so wie in der Anleitung steht, Gibt es irgendwo ein mehr technikbezogenenes Forum, als youtube, für Erfahrungen und Probleme?

    • Ja, Deinen Kommentar kann man dort lesen. Ich habe auch schon überlegt, warum es kein offizielles Forum vom Franzis Verlag gibt, in dem die Radio-Begeisterten über den Bausatz diskutieren können. Soweit ich weiß stellt weder Burkhard noch Franzis oder ELO so etwas zur Verfügung. Oder?

  4. Dieser Tipp war super: Die Erdleitung an die Heizung gibt viel besseren Empfang, ja ich habe Empfang. Heute habe ich zum erstenmal einen Sender auf 813 kHz mit richtigem L=314 uH und C=122 pF empfangen. Die Schleifenantenne funktioniert nicht, ich habe eine lose Antenne am heissen Ende, und die Erdung.

    .Insgesamt funktioniert der Aufbau, ist aber noch unwägbar. Die Abstimmung nach Theorie und Tabelle mit L und C gab bisher nichts her, offenbar spielten andere Pfade eine Rolle für das frequenzbestimmende Glied. Der vorgegebene Aufbau ist leider nicht umsteck-freundlich.

    Ich werde wohl die Steckplatine nochmals auswechseln, oder eine meiner alten aus dem Keller holen, jene hatten nie Wackelkontakte.

  5. Der Name Burkhard Kainka spricht für sich. Burkhard ist einfach ein Genie, das vielleicht alle zweihundert Jahre auf die Welt kommt.
    Doch eines verstehe ich bei diesem Bausatz nicht, warum die Abstimmung des Schwingkreises nicht einfach mit einem Drehkondensator erfolgt? Das “Rumgefummel” mit den vielen Einzelspulen und Einzelkondensatoren ist doch sehr fehlerträchtig. Und ich glaube, dass ein derartig zusammengestöpselter Schwingkreis alles mögliche tut, nur nicht auf der theoretisch errechneten Frequenz zu arbeiten.
    Gerne würde ich von Burkhard erfahren, warum er diese Art des Schwingkreisaufbaus gewählt hat.

  6. Drehkos kann man nicht mehr kaufen, sonst würde man die Schaltung einfach anpassen. Genial ist auch die Magnetische Schleifenantenne. Allerdings ist das Grundproblem der AM-IC, welcher eine präzise Spannung von nur 1.4V verlangt, und dass es kaum noch MW-Sender gibt. Ich bin auf den UKW-Radio von 2012 gespannt. Vielleicht kommt dann 2013 ein KW-Adventsradio …

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