Kategorie: Krimi

[Rezension] Der Hüter – Stadt der Tiefe von Jasmin Jülicher

Stadt_der_Tiefe
Titel: Der Hüter – Stadt der Tiefe
AutorIn: Jasmin Jülicher
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 6. August 2017
ISBN: 978-3-7448-4094-1
Format: ePUB (247 Seiten)
Preis: 3,99€
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Worum geht es?

Biota – Die Stadt, die nach dem Großen Krieg auf dem Meeresboden gebaut worden ist. Für die Bewohner ist sie eine sichere Heimat, denn die Oberen haben dafür gesorgt, dass jede gewalttätige Tendenz in den Menschen zusammen mit ihren Erinnerungen ausgelöscht wurde. Doch dann taucht eine grausam zugerichtete Leiche auf,  die es nie hätte geben dürfen. Alexander, oberster Hüter der Stadt, und die Biologin Nic ermitteln und stellen bald fest, dass dieser Mord erst der Anfang war. Denn Biota ist längst nicht die sichere Zuflucht, die sie zu sein scheint…  Sie müssen sich entscheiden: Ist die Wahrheit es wert, dass sie dafür ihr eigenes Leben und die Existenz der gesamten Stadt aufs Spiel setzen? (Quelle: Crowdfunding)

Meine Meinung

“Der Hüter” ist der Auftakt zu einer Reihe mit dem Namen “Stadt der Tiefe” aus dem Genre Steampunk und spielt im späten 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit lebten spannende Charaktere und es wurden fundamentale Erfindungen gemacht, die die erste industrielle Revolution einleiteten und die Welt für immer verändern sollten. Nur ist die Sache die: In “Der Hüter” weist Jasmin Jülicher ausdrücklich darauf hin, dass sie zwar bekannte Persönlichkeiten zu einem Teil der Geschichte hat werden lassen, diese aber in ihrem Verhalten völlig unabhängig von der Realität gezeichnet hat. Auch die Erfindungen orientieren sich wenig an Bekanntem und gründen sich dabei zumeist auf ein Element, das die Autorin im Sinne der Geschichte frei erfunden und das mich kurzzeitig an Transformers erinnert hat: Mechanium. Ein Material mit tollen (mechanischen) Eigenschaften!
Dies vorweg geschickt ist es daher wichtig zu verstehen, dass es sich bei “Der Hüter” eher um einen Fantasy-Kriminalroman mit Steampunk-Elementen handelt. Zu Beginn wird der Leser sogleich in eine rasante Entwicklung gezogen, die mit vielen Zeitsprüngen aufwartet. Eben noch wird Kohle aus den Gruben von menschlichen Arbeitern geholt, und im nächsten Moment sind einige Jahrzehnte vergangen und der Leser findet sich in einer Welt wieder, die sich aufgrund der Erfindungen nicht nur massiv verändert, sondern darüber hinaus auch noch eine große Gruppe von Menschen zu einer existentiellen Flucht in eine Stadt gezwungen hat, die unter dem Meer gebaut wurde. Die Zeitsprünge waren mir dabei zu hektisch und einige Abschnitte klangen zu dem leider auch eher uninspiriert. Verschiedene Entscheidungen, die für die Entwicklung der Geschichte wichtig waren, wirken zudem recht naiv. Wobei man allerdings sagen muss, dass in unserer Zeit bspw. Debatten darüber geführt werden, ob autonomen Drohnen die Macht gegeben werden soll, sog. “Kill Decisions” selbständig ohne das Eingreifen durch Menschen durchführen zu können. Vor dem Hintergrund wirken die Ideen von Jasmin Jülicher weniger naiv, sondern vielmehr in hohem Maße gesellschaftskritisch.
Das ist mir an vielen Stellen aufgefallen und ich schreibe es der Tatsache zu, dass es sich bei “Der Hüter” um ihr Erstlingswerk handelt, dass entsprechend ihr Schreibstil eher einfach ist und oft den Eindruck erweckt, als wäre die Autorin “Abkürzungen” gegangen, um die Geschichte schneller voranzutreiben. Zudem wechselt sie oft die Erzählperspektive. Mal aus der Ich-Form geschrieben, wechselt der Text von einem Satz zum anderen auch zurück in die übergeordnete Erzählperspektive. Auch kommt es zuweilen vor, dass sich der Kontext von einem Absatz zum nächsten ändert, ohne dass es eine Zwischenüberschrift gegeben hätte. Diese und andere stilistische Fehler haben mich manches Mal verwirrt.
Gleichzeitig sollte man von dem Buch nicht erwarten, eine seicht dahinplätschernde Geschichte auf dem Tablett serviert zu bekommen. Es geht zuweilen hart her und mitunter sind Gewaltszenen sehr explizit und blutig beschrieben. Im Gesamtkontext des Buches – für mich – sogar zu explizit. Dabei dauert es sehr lange, bis sich offenbart, durch wen und wodurch diese Gewalt verursacht wird. Obwohl Jasmin Jülicher sich auch hier eines nicht ganz unbekannten Täterprofils der Geschichte bedient, ist es so einfach nicht und man muss das Buch schon bis zum Ende lesen, um alles überblicken zu können. Natürlich fehlt auch hier nicht eine kleine Prise Romantik und Sex, wobei mir dieser Part genauso unbeholfen wie unnötig erschien. Da das Werk sowieso auf mehrere Bände ausgelegt ist, hätte es der Spannung – auch zwischen den Charakteren – gut getan, dieses Thema auf einen Folgeband zu verschieben.

Fazit

Auch wenn ich mit Kritik nicht spare, bin ich dennoch gespannt, wie die Geschichte im zweiten Band weitergeht. Zumindest ab der Hälfte des ersten Bandes habe ich zunehmend den Eindruck gewonnen, dass Jasmin Jülicher immer sicherer im Schreiben wurde. Dennoch hat sie es bis zum Ende nicht geschafft, einen konstant guten Stil zu etablieren. Zu oft wirkten einzelne Passagen auf mich uninspiriert, abkürzend und das Verhalten des Protagonisten kindisch. Von daher hoffe ich darauf, dass sich das im nächsten Band bessert und ich dann auch mehr Sterne für die ansonsten interessante Geschichte vergeben kann. “Der Hüter” kommt für mich auf dreieinhalb Sterne, für die spannende Idee, aktuelles Zeitgeschehen und Gesellschaftskritik in einem interessanten, geschichtlichen Kontext darzustellen.

P.S.

Jasmin verlegt ihr Buch selbst und finanziert den Druck über eine Crowdfunding-Aktion. Das finde ich wirklich großartig und ich freue mich für sie, dass das Finanzierungsziel erreicht wurde. Aufmerksam darauf wurde ich, da sie das tthinkttwice-Team darauf angesprochen hat, ob wir Lust hätten, “Der Hüter” zu rezensieren (auch hier noch einmal vielen Dank dafür!). Und wenn ihr mehr über Jasmin und ihr Buchprojekt erfahren wollt, dann besucht unbedingt den Blog von Tilly Jones! Tilly hat ein ganz besonderes Interview mit Jasmin geführt, das zu lesen viel Spaß macht!

[Rezension] Unsterblich von Jens Lubbadeh

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Titel: Unsterblich
AutorIn: Jens Lubbadeh
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: Juli 2016
ISBN: 978-3-453-31731-4
Format: Broschur (448 Seiten)
Preis: 14,99€
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Leseprobe

Worum geht es?

DIESE ZUKUNFT IST NUR EINEN KLICK ENTFERNT
Der Traum der Menschheit vom ewigen Leben ist Wirklichkeit geworden: Dank Virtual-Reality-Implantaten können die Menschen als perfekte Kopien für immer weiterleben. Auch Marlene Dietrich ist als Star wiederauferstanden und wird weltweit gefeiert – bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Eigentlich unmöglich! Für den Versicherungsagenten Benjamin Kari wird aus der Suche nach ihrem digitalen Klon ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel. Quelle

Meine Meinung zum Buch

Ich habe “Unsterblich” vom Heyne Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen und war gleich angetan vom Coverdesign. Autorname, Buchtitel und Kategorie sind als Relief in goldener Farbe fühlbar auf das Cover gedruckt, den Rest ziert ein stilisiertes Frauenbild. Wer den Klappentext liest und sich ein wenig mit der Filmbranche auskennt, erkennt hier sofort Marlene Dietrich. Das Design empfand ich insbesondere deshalb so spannend, da sich die femininen Züge der bekannten Schauspielerin darin sofort wiedererkennen ließen, auf der anderen Seite aber wiederum sich ein eher künstlicher Eindruck aufdrängt. Warum das so ist, wird bereits zu Beginn der Geschichte deutlich: Es geht um “perfekte” Kopien von Menschen, die in der virtuellen Realität weiterleben – daher auch der Titel des Buches: “Unsterblich”. Inwiefern hier die gesamte Menschheit an der virtuellen Wiederauferstehung Verstorbener partizipieren kann (wo in unserer Zeit doch zum Genuss der VR zumeist klobige Brillen zum Einsatz kommen und der Einsatz sich i.d.R. auf die eigenen vier Wände beschränkt), wollte sich mir zunächst nicht erschließen.
Allerdings spielt die Handlung dieses Romans auch im Jahr 2044 und die Entwicklung ist anscheinend deutlich vorangeschritten. Wer Bücher wie z.B. Daemon und Darknet von Daniel Suarez kennt oder Blackout von Andreas Eschbach, bekommt sehr schnell eine gute Vorstellung davon, wie das funktioniert. Zum Glück muss ich aber an dieser Stelle auch nicht weiter spoilern, denn für die Geschichte ist der technologische Aspekt (zumindest bis etwa zur Hälfte des Buches) vollkommen irrelevant. Nehmen wir einfach einmal hin, dass es eine Virtuelle Realität gibt – und alle nehmen sie wahr. Und zwar IN der Realität. So viel dazu. Der Roman konzentriert sich dabei weniger auf die Science Fiction, sondern versucht vielmehr einen guten Krimi zu inszenieren. Und dabei zieht Lubbadeh in seinem Debutroman alle Register: Benjamin Kari, ein schwächlich wirkender Bürokrat als Protagonist wird unversehens in eine Geschichte gezogen, die unmöglich erscheint und doch weltweite Folgen mit sich ziehen könnte. Eine Verschwörung bis in die obersten Ränge stellt den Plot und treibt Kari in eine Hetzjagd, bei der er sich verliebt, doch nicht verliebt, vielleicht verliebt, verletzt wird, möglicherweise stirbt (oder doch nicht), auf Indianer trifft, mit Raketen fliegt, dem Geheimnis der Virtual Reality auf die Spur kommt, den Mordfall um Marlene Dietrich löst (ist es überhaupt ein Mord… immerhin ist sie schon seit 1992 tot) und dabei ganz nebenbei auch noch der Hörigkeit seinem Arbeitgeber gegenüber entsagt: DEM Konzern, der in der engsten nur möglichen Zusammenarbeit mit dem Erfinder der VR kooperiert, um wiederauferstandene virtuelle Klone zu “zertifizieren”.
Kein Witz: Denn das ist eigentlich Benjamin Karis Job. Er zertifiziert virtuelle Klone. Oder anders gesagt: Er prüft, ob sie im wesentlichen den Originalen so gut entsprechen, dass der Rest der Menschheit sie als echt akzeptiert. Fast ein wenig wie ein Turing-Test. Im Prinzip ist der Roman rasant geschrieben und ab der zweiten Hälfte bin ich auch nahezu über die Seiten geflogen. Allerdings muss ich gleichzeitig zugeben, dass der Start extrem schwer für mich war. Lubbadeh skizziert eine Welt, die zunächst recht fremd auf mich wirkte. Und da es zunächst an Erklärungen mangelt und die Geschichte vorauszusetzen scheint, dass der Leser die grundlegenden Gesetze dieser Welt kennt und akzeptiert, hatte ich echte Probleme damit, voranzukommen. Mehrmals dachte ich so bei mir: “So ein Blödsinn.” Da mir zudem auch noch die Zeit fehlte, um dennoch umfangreichere Passagen als nur ein paar Seiten am Stück zu lesen, dauerte es für meine Verhältnisse sehr lang, bis mich das Buch dann doch endlich gepackt hat.
Der Plot ist nämlich nicht von schlechten Eltern! Jens Lubbadeh hat für ein Erstlingswerk – aus meiner Sicht – einen großartigen Roman hingelegt, der es geschickt schafft, aus einer vom Prinzip her dem Kriminal-Genre entsprungenem Handlungsfaden eine Heldengeschichte zu machen, der natürlich auch der tragische Hintergrund nicht fehlen darf. Während diese Tragik innerhalb der fortschreitenden Geschichte zwar einmal zu viel auf die Tränendrüse zu drücken versucht – soviel Kritik sei erlaubt – mündet sie aber zum Schluss in einem Knaller, den man hätte vorhersehen können (wenn einen der ansonsten so geschickt gewobene Handlungsverlauf nicht davon abgelenkt hätte).

Fazit

Wer Spaß am Wer-Ist-Der-Mörder-Sci-Fi-Helden-Genre hat und sich für die gesellschaftlichen Auswirkungen einer allgegenwärtigen, virtuellen Realität interessiert, dem empfehle ich “Unsterblich” uneingeschränkt. In diesem Sinne verzeihe ich dem Buch ein paar kleinere Schwächen und gebe ihm für das edle, minimalistische Coverdesign, die kreative Geschichte, dem spannenden Genremix und einem – wenn auch nicht ganz aufgelösten – Ende viereinhalb von fünf Sternen!
Skala 4,5 Sterne

[Rezension] Schandfleck von Jürgen Seibold

schandfleck

Titel: Schandfleck: Ein Allgäu-Krimi
Autor: Jürgen Seibold
Verlag: Piper Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 12. Januar 2017
Format: Taschenbuch (320Seiten)
ISBN: 978-3492308526
Preis:  9,99€
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Leseprobe
zum Autor

Worum geht es?

Das Allgäu: ein idyllischer Landstrich voller Tatorte und Mordwaffen
Das kleine Dorf Obergassen liegt malerisch am Fuße der Allgäuer Alpen. Nur der heruntergekommene Garzinger Hof stört die ländliche Idylle – und manche Bewohner würden den Schandfleck des Ortes lieber heute als morgen abreißen lassen. Aber der kauzige Eigentümer Manfred Garzinger mag weder verkaufen noch renovieren. Eines Tages wird er tot in seinem abgewetzten Lehnsessel gefunden, und Kommissar Hansen stößt bei seinen Ermittlungen auf eine verschwiegene Dorfgemeinschaft, die ihre Angelegenheiten lieber selbst regelt …Quelle: Piper

Meine Meinung zum Buch:

Nachdem ich eine ganze Menge Kinder- und Jugendbücher gelesen habe, war ich wieder auf der Suche nach einen spannenden Krimi. Vor zwei Jahren habe ich mich ins Allgäu verliebt, deshalb wurde ich von Jürgen Seibolds neuen Buchcover magisch angezogen. Beim Betrachten des Titelbildes habe ich sofort Fernweh bekommen. Aber nicht nur das Cover hat mich angesprochen, sondern auch der Klappentet traf genau meinen Geschmack. Ganz klar, dieses Buch musste ich unbedingt lesen.
Der Einstieg in die Geschichte ist mir ganz leicht gefallen, ich bin bereits nach ein paar Seiten am Platz des Geschehens angekommen. Der Autor hat einen wunderbar leichten, flüssigen und sehr angenehmen Schreibstil. Ich habe mich dadurch gleich sehr wohl gefühlt. Durch die vielen detailgenauen und bildgewaltigen Beschreibungen der Landschaft hatte ich die Gegend gleich vor Augen.
Der Plot ist von Anfang an spannend und kann durch die verschiedenen Erzählperspektiven auch stetig an Tempo und Spannung zunehmen. Neben einer süchtig machenden Geschichte überzeugt bei diesem Krimi auch ein überaus sympathisches Ermittlerteam. Ich mochte Eike Hansen von Beginn. Er ist, wie ich auch, ein Nordlicht, das mit einigen Sprachbarrieren zu kämpfen hat. Ich habe vor zwei Jahren auch immer mit Fragezeichen im Gesicht die Einheimischen angeschaut, wenn sie mit ihrem Dialekt versucht haben, mir etwas zu erzählen. Auch mit den anderen Protagonisten konnte ich schnell sympathisieren oder im Fall der Verdächtigen eben nicht. Die Anzahl der Protagonisten habe ich als überschaubar empfunden und sie in der Geschichte auch ziemlich schnell einordnen können. Ich habe die ganze Geschichte über mitgerätselt und bin dem Täter tatsächlich erst ganz zum Schluss auf die Schliche gekommen. Das Buch hat ein gelungenes und stimmiges Ende. Der Autor löst alle gesponnenen Fäden zum Buchende auf, sodass für mich keine Fragen offen bleiben.
“Schandfleck” ist schon der fünfte Fall von Eike Hansen und seinen Kollegen. Ich habe also noch einiges aufzuholen. Auch ohne Hintergrundwissen bin ich mit der Geschichte sehr gut zurecht gekommen, allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich einige interessante Ereignisse verpasst habe.
In nur zwei Tagen bin ich durch die 313 Seiten hindurch geflogen und war fast ein wenig traurig, dass ich nun das Buch in Regal stellen muss.

Fazit:

Ein genialer Allgäu-Krimi, der seinesgleichen sucht. Von Anfang bis Ende hat mich dieser Krimi bestens unterhalten. Ich spreche gerne eine Leseempfehlung aus und vergebe sehr gerne fünf von fünf Sternen