Worum geht’s?

Wer braucht schon einen Vater? Sie sicher nicht, davon ist Hollis fest überzeugt – bis ihr Halbbruder Milo in ihr Leben tritt. Denn er will ihren gemeinsamen Vater finden und braucht Hollis’ Hilfe. Aber warum sollte sie bei so einer Schnapsidee mitmachen? Immerhin kennt sie Milo kaum, mal ganz zu schweigen von dem „Vater“, der sie in einem Reagenzglas gezeugt hat. Einem Mann, dessen Namen sie nicht einmal weiß. Und das ist auch verdammt gut so.

Richtig abgefahren aber wird es, als Milo herausfindet, dass sie nicht die einzigen Kinder von Samenspender No. 9677 sind. Widerwillig lässt sich Hollis auf die Spurensuche ein – und stellt fest: Familie ist das, was man daraus macht. (Quelle)

Meine Meinung zum Buch

“Wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam – fünf Kinder, sechs Frauen? Wie geht das?” – Das zumindest waren meine ersten Gedanken als ich das Buch sah. Und damit hatte es mich schon. Ich begann mich mit dem Titel zu beschäftigen. Die optische Aufmachung des Buches, der Klappentext – alles sprach mich an, also hoffte ich, es würde mich nicht mit dem Inhalt enttäuschen.

Dem mitten in der Pubertät steckende Milo fehlt ein männliches Vorbild, denn er ist der Sohn zweier Frauen. Gezeugt durch eine Samenspende. Er liebt seine Mütter über alles, doch bei richtigen Männerproblemen können sie ihm nicht helfen.
Milo weiß, dass er durch ein Samenspende gezeugt und von seiner Mutter Suzanne ausgetragen wurde. Und da das Sperma irgendwoher kommen muss, muss es zur Spende ja auch einen dazugehörigen Mann geben – seinen Vater. Milo möchte ihn finden und kennenlernen, doch alleine traut er sich nicht.
Bereits vor mehreren Jahren hat er seine Halbschwester Hollis kennengelernt, seitdem aber nie wieder etwas von ihr gehört. Wer, wenn nicht sie, könnte ebenfalls ein Interesse daran haben ihren Vater zu finden und ihm bei der Suche helfen? Doch Hollis möchte nichts mit ihrem Vater zu tun haben. Erst als sich noch mehr Halbgeschwister bei ihnen melden, wird die ganze Sache mega interessant.

Fünf Kinder von sechs Frauen geht definitiv und dieses Buch hat mir auch gezeigt wie. Es hat mir auch noch so einiges mehr mitgegeben, denn beim Lesen habe ich mich rundum wohl gefühlt.

Ich muss gestehen, ich habe vor diesem Buch noch nie einen Gedanken daran verschwendet wie sich Kinder bzw. Jugendliche fühlen könnten, die durch eine Samenspende entstanden sind. Vielleicht leben sie nur mit der Mutter zusammen oder es gibt sogar zwei davon oder es gibt einen Vater in der Familie, der aber nicht der leibliche Vater ist. Allein beim darüber nachdenken fühlt es sich irgendwie unvollständig an. Kein Wunder, dass “solche” Kinder, gerade in ihrer Identitätsfindungsphase nach konkreten Antworten und Personen suchen.

“No. 9677” von Natasha Friend greift dieses Thema, meiner Meinung nach, ganz wundervoll auf. Mit viel Fingerspitzengefühl und einem Händchen für authentische Charaktere hat die Autorin es geschafft mich mit auf Milo und Hollis Suche nach ihrem Vater zu nehmen.

Natasha Friend hat einen ganz wundervollen Schreibstil, der mich gleich von der ersten Seite an abgeholt hat. Sie schreibt locker, leicht, flüssig und der Zielgruppe angemessen. Das Buch ließ sich trotz der wichtigen und ernsten Thematik wunderbar schnell und einfach lesen. Die Autorin hat ein ganz tolles wordbuilding, mit dem sie mich – jedes Mal, wenn ich das Buch in die Hand genommen habe – gefangen genommen hat.

Die Charaktere möchte ich nochmal lobend erwähnen. Die Autorin hat wirklich sehr authentische und individuelle Charaktere geschaffen, die ich allesamt mochte. Die einen mehr, die anderen weniger – wie im echten Leben. Ich konnte mir jeden einzelnen Charakter bildlich vorstellen und war einfach nur angetan davon, wie Natasha Friend es mit Worten geschafft hat, dass ich mich so gut in all diese Menschen hineinversetzen konnte.
Ich habe selten – und schon länger nicht mehr – ein Buch mit so gut ausgearbeiteten Charakteren gelesen. Hut ab.

Auch den Themen des Buches widmet sich die Autorin mit sehr viel Feingefühl. Sie beschreibt die inneren Konflikte der Charaktere ganz toll und macht auch keinen Halt vor traurigen Ereignissen. Meine Augen sind beim Lesen jedenfalls nicht trocken geblieben.

Das Ende des Buches ist relativ offen und ich weiß, dass das von einigen als störend empfunden wird. Für mich persönlich war das Ende perfekt so, wie die Autorin es geschrieben hat. Ich als Leserin habe genügend Antworten erhalten, um zufrieden zu sein und habe zusätzlich noch die Möglichkeit erhalten verschiedene Optionen, wie die Geschichte weitergehen könnte, in meinem Kopf weiterzuspinnen.

Fazit

Dieses Buch hat mich auf ganzer Linie überzeugt und begeistert. Die Aufmachung des Buches ist der Hammer, die Thematik interessant und klasse aufgearbeitet und die Charaktere machen dieses Buch perfekt.
Für mich ist dieses Buch definitiv ein kleines Highlight, das ich sehr gerne weiterempfehlen werde.

Daher gibt es von mir 5 von 5 Sternen!

Titel: No. 9677 oder Wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam
Autorin: Natasha Friend
Übersetzerinnen: Jessika Komina und Sandra Knuffinke
Verlag: Magellan
Erscheinungsdatum: 13. Juli 2017
ISBN: 978-3734850295
Format: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag (336 Seiten)
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 13 Jahre
Preis: 17,00€

Ich bedanke mich recht herzlich beim Magellan Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

4 comments on “[Rezension] No. 9677 oder Wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam von Natasha Friend”

  1. Hallo, Miri!
    Der Titel hat mich auch sofort angesprochen. Das ist wohl einfach ein Rätsel, das gelöst werden muss, sonst denkt man die ganze Zeit darüber nach. 🙂
    Schön, dass dir das Buch gefallen hat. Ich wusste nicht, dass es sich um ein Jugendbuch handelt und das schreckt mich jetzt irgendwie ab. Aber ich werd es mir auf jeden Fall mal merken. 😉
    LG, m

  2. Liebe Miri,
    ich find´s klasse, dass du das Buch magst und so positiv darüber schreibst. 🙂 Denn es liegt noch bei mir auf dem SuB – und jetzt habe ich noch mehr Lust, es zu lesen. 🙂
    Herzliche Grüße von Tina

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