Transfusion Cover
©Heyne


Worum geht’s?

Ein Menschheitstraum ist wahr geworden. Mithilfe des Wundermittels Bimini, entwickelt vom Hamburger Pharmakonzern Astrada, kann Alzheimer nun endgültig geheilt werden. Iliana Kornblum, Wissenschaftlerin bei Astrada, hat das Medikament mitentwickelt, und ihr Vater gehörte zu den ersten Geheilten. Deshalb ist sie alarmiert, als sie bei ihrem Chef auf geheime Versuchsdaten stößt. Daten, die nur einen Schluss zulassen: Für Heilung und ein längeres Leben nimmt Astrada auch Tote in Kauf. Welche grausame Wahrheit verbirgt sich hinter dem Heilmittel?

(Quelle) [Anzeige]



Meine Meinung zum Buch

Ich habe bereits die letzten Bücher von Jens Lubbadeh gelesen – und auch auf diesem Blog rezensiert. Er hat für mich mit “Unsterblich” das Wer-Ist-Der-Mörder-Sci-Fi-Helden-Genre geprägt und mit seinem zweiten Roman “Neanderthal” daran erinnert, dass ein Autor nicht notwendigerweise direkt in eine Schublade gesteckt werden kann. Insofern war ich neugierig auf seinen dritten Roman “Transfusion”.

Das Buch verfolgt einen einzigen Main-Plot und der Leser erfährt die Geschichte weitestgehend aus Sicht der Protagonistion Iliana Kornblum. Illi – wie sie von Freunden und Verwandten genannt wird – hat eine kleine Tochter und einen an Alzheimer erkrankten Vater. Sie arbeitet in einem pharmazeutischen Unternehmen, das nichts weniger geschafft hat, als diese verheerende Demenz-Krankheit auf eine Ebene mit der Grippe zu stellen: Behandelbar. Mit einem wesentlichen Unterschied. Um von der Wirkung des Medikaments Bimini langfristig zu profitieren und nie wieder unter den Symptomen von Alzheimer leiden zu müssen, sind die Patienten darauf angewiesen, das Mittel ein Leben lang zu sich zu nehmen. Einmal davon abgesehen, dass das ökonomisch betrachtet für das Pharma-Unternehmen Astrada ziemlich erfolgsversprechend ist, ist das aber auch ein geringer Preis – oberflächlich betrachtet – hätte Illi nur nicht herausgefunden, woher genau das Mittel stammt.

Im Grunde genommen geht es in unserer Welt ganz ähnlich zu und immer lauter werden die Stimmen derjenigen, die keine Medikamente nehmen möchten, die zuvor z.B. an Tieren getestet wurden. Nur ist es praktisch unmöglich, diese Art der Information aus der Packungsbeilage zu entnehmen. Genauso wie es unmöglich ist, alle Lebensmittel-Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln in den Kühlregalen unserer Supermärkte eindeutig ihren Quellen zuzuordnen. Wichtiger ist doch viel mehr, dass es schmeckt, nicht wahr? Oder dass es wirkt, richtig?

Wenn allerdings die Herkunft von Bimini so erschreckend ist, dass die erste Hälfte des Buches sich hauptsächlich Ilianas Gewissenskonflikt widmet – deren Vater schließlich von dem Medikament profitiert – dann sei an dieser Stelle schon mal vorgewarnt: Es geht noch schlimmer. Und wenn ich schlimmer schreibe, meine ich nicht nur die Steigerungsform von schlimm, sondern, dass sich aus all dem, was Lubbadeh sich da (hoffentlich nur) ausgedacht hat, Implikationen ergeben, die dem Ganzen noch die Krone aufsetzen.

Insofern hat mich die Geschichte gepackt und – untypisch für mich in letzter Zeit – in nur wenigen Abenden durchlesen lassen. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass sich auch Lubbadeh zunächst in den Plot einfinden musste und insgesamt empfand ich die Protagonistin streckenweise als (zu) naiv. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass jemand in seinem Leben so weit kommt wie Iliana Kornblum, gleichzeitig aber eine so unfassbar fehlende Menschenkenntnis zur Schau tragen kann. Mehrmals. Auch der Twist zum Ende hin wirkt unglaubwürdig, da es für mich schwer vorstellbar ist, dass sich Menschen in dem Maße verändern, wie Lubbadeh es ihnen hier möglich macht.

Hier liegt auch mein zweiter Kritikpunkt: Das Buch suggeriert im Mittelteil eine hohe Geschwindigkeit durch verschiedene Szenenwechsel, die rasch aufeinanderfolgen und den Leser schnell weiterlesen lassen. Da es in Summe aber nicht sehr umfangreich ist, hätten ihm meiner Meinung nach – im Gegenteil nämlich – mehr Details gut getan, und dass zum Ende hin ein gewaltiger Cliffhanger von einem Interview beendet wird, das mit mehr als einem Jahrzehnt in der Zukunft das ganze Geschehen in der Rückschau bewertet, wirkt, als hätte “Transfusion” rasch beendet werden müssen.

Auf der einen Seite fügt sich das Ende stilistisch gut in das Gesamtwerk ein, der Bruch lässt dennoch einen faden Beigeschmack zurück.

Fazit

Die Grundidee von “Transfusion” ist aktueller denn je, denn insbesondere die Zahlen der Demenz-Erkrankten steigt kontinuierlich. Auch unsere Lebenserwartung verändert sich statistisch gesehen und somit auch der Wunsch nach immer mehr erfüllender Lebenszeit oder Rente erst mit 70 – je nachdem aus welcher Perspektive man das betrachtet. 😉 Von daher gehört dieses Buch definitiv in die Kategorie lesenswert und mich würde es nicht einmal wundern, wenn hier die Geschichte von der Realität überholt wird*. Nach meinem Geschmack hätte den Charakteren mehr Tiefe spendiert werden können und hier und da mehr Details hätten mich auch gefreut. Es muss ja nicht gleich ein Schätzing werden. 🙂

Dafür gibt es von mir 4 von 5 Sternen.

*P.S.: Oder hat die Geschichte die Realität überholt? Wer nach dem Genuss dieses Thrillers mehr wissen will, liest den Artikel hier.


[Anzeige]

Titel: Transfusion – Sie wollen dich nur heilen
Originaltitel: /
Reihe: /
Autor*in: Jens Lubbadeh
Übersetzer*in: /
Illustrator*in: /
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: 11. November 2019
Format: Klappenbroschur und eBook (384 Seiten)
Empfohlenes Alter: /
ISBN: 978-3-453-32008-6
Preis: 14,99€
eBook Preis: 11,99€

1 comment on “[Rezension] Transfusion: Sie wollen dich nur heilen”

  1. Hey!
    Ich muss jetzt endlich mal das Kommentieren über die App ausprobieren:)
    Das Buch hört sich sehr spannend an. Schade, dass die Umsetzung nicht ganz gut gelungen ist. Aber bei 4 Sternen kann man wohl auch nichts falsch machen, wenn man zugreift.
    Lg
    Yvonne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.