Kategorie: Buchrezension

[Rezension] artgerecht–Das andere Kleinkinderbuch von Nicola Schmidt

Schmidt_Nartgerecht_Kleinkinderbuch_190147© Kösel-Verlag


Worum geht’s?

Im Alter zwischen 2 und 6 Jahren sind Kinder zum Fressen süß und entdecken mit großen Augen die Welt. Aber warum essen sie kein Gemüse, finden abends nicht in den Schlaf und schreien im Supermarkt?
Nicola Schmidt zeigt mit vielen praktischen Tipps, wie Eltern auch heute der Biologie ihrer Kleinkinder gerecht werden können, obwohl die sich seit der Steinzeit kaum verändert hat.
Wenn Eltern verstehen, was in Körper und Gehirn ihrer Kinder passiert, sehen sie ihren Alltag plötzlich mit anderen Augen – und wissen, was zu tun ist.
Erziehungswissen in Bestform: klug recherchiert, wissenschaftlich handfest, humorvoll und erfrischend undogmatisch. (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Ich bin Mutter einer ziemlich anspruchsvollen Zweijährigen, die wir bedürfnisorientiert erziehen und zusätzlich bin ich auch noch Erzieherin. Als mir dieses Buch über den Weg lief, rief es so laut meinen Namen, dass ich es definitiv nicht ignorieren konnte.

(mehr …)

[tthinkttwice-Rezi] Boy in a White Room von Karl Olsberg

© Loewe Verlag


Worum geht’s?

Eingesperrt, ohne Erinnerung, erwacht Manuel in einem weißen Raum. Er weiß weder, wer er ist, noch, wie er hierher kam. Sein einziger Kontakt ist eine computergenerierte Stimme namens Alice, durch die er Zugriff auf das Internet hat. Stück für Stück erschließt sich Manuel online, was mit ihm passiert ist: Bei einem Entführungsversuch wurde er lebensgefährlich verletzt. Doch wie konnte er diesen Anschlag überleben? Ist das alles tatsächlich die Wahrheit? Und wer ist Manuel wirklich? (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Bevor ihr diese Rezension weiterlest, verweise ich euch schnell nochmal auf die Rezension meines Mannes zu diesem Buch: KLICK!
Da es sich bei meiner Rezension um eine tthinkttwice-Rezi handelt, werde ich Bezug auf den Text meines Mannes nehmen, ihr solltet also vorher seine Rezi gelesen haben, um genau erstehen zu können, worauf ich mich beziehe. 🙂

Ich gehe selten auf die Covergestaltung eines Buches ein, aber da mein Mann dies in seiner Buchbesprechung getan hat und ich das Cover von “Boy in a White Room” sehr gelungen finde, werde ich auch ein paar Worte dazu schreiben.
Ich bin ein Fan des Covers. Es ist schlicht und dennoch fällt es auf. Im Laden hätte ich das Buch definitiv in die Hand genommen. Zu sehen ist erst die Hälfte eines Gesichts und wenn man das Cover aufklappt, sieht man das ganze Gesicht. Außerdem wurde der Buchtitel mit Relieflack gedruckt, so dass das Cover auch zu einem ganz besonderen haptischen Vergnügen wird. Ich mag sowas ja. Zu sehen sind auch viele kleine und größere Kuben (vielleicht sind das Räume?), die meiner Meinung nach perfekt zum Inhalt des Buches passen.

Da mein Mann das Buch ja bereits vor mir gelesen hat und sich unheimlich schwer damit tut nicht über das Gelesene zu reden, wusste ich bereits vorher schon, dass die Identität des Boy in a White Room bereits sehr früh aufgeklärt wird. Das war also keine Überraschung mehr für mich. Vielmehr begriff ich, dass hinter dem Jungen im weißen Raum noch so viel mehr stecken musste und lies mich auf das Abenteuer ein.

Was wie ein leichter und sehr spannender Jugendthriller beginnt, nimmt irgendwann eine Wendung mit der ich im Leben nicht gerechnet hatte. Um meinen Mann zu zitieren:

Andreas Eschbach wird auf dem Backcover zitiert, das Buch hätte einen philosophischen Tiefgang. Wie tief kann es denn gehen, wenn die Sache nach 23 Seiten klar ist? Ich möchte es mal so formulieren… so tief wie ein Kaninchenbau und am Ende wünschtest Du Dir, Du hättest die blaue Pille gewählt.

Ohne den Autor persönlich angreifen zu wollen, habe ich mir tatsächlich zwischendurch die Frage gestellt, was für eine Pille er wohl beim Schreiben des Buches eingeworfen hatte. Um eins klarzustellen: Ich finde das Buch großartig und bin begeistert von der Tiefe, die darin steckt. Nach dem “normalen” Beginn des Buches habe ich einfach nicht mit so etwas völlig – ich nenne es mal – abgespacetem gerechnet. Mein Mann nannte dies liebevoll “Echt jetzt? – Momente” und dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.
Ich habe den Übergang zu dem philosophischen Part des Buches allerdings nicht ganz so gut annehmen können wie mein Mann, daher hat er auch einen halben Stern ehr vergeben als ich.

Karl Olsberg nimmt den Leser mit auf eine Reise ins Wunderland und lässt Decartes mit seinem “Cogito, ergo sum – Ich denke, also bin ich.” neu aufleben.
Meiner Meinung nach ist dieser Teil des Buches wirklich nicht für jedermann gemacht, was auch die gespaltenen Rezensionen zu dem Buch zeigen. Mir jedoch hat die Idee dahinter sehr gut gefallen. Ich habe es lediglich nicht geschafft mich zu 100% auf dieses Gedankenspiel einzulassen.
Auch das Ende wird gespaltene Lager hinterlassen. Die Einen werden es äußerst passend finden, die Anderen werden es hassen. Ich gehöre zu Ersteren, obwohl ich zugeben muss, dass ich mir doch irgendwie schon ein anderes Ende oder zumindest ein paar Seiten mehr gewünscht hätte.

Fazit

“Boy in a White Room” ist definitiv anders. Es ist leicht und verständlich geschrieben, es ist spannend und gleichzeitig ist es hoch philosophisch. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich persönlich nicht auf die Idee gekommen wäre zu diesem Thema zu philosophieren, obwohl es wirklich sehr naheliegend ist. Ich habe einen spannenden Page-Turner erwartet und noch so viel mehr bekommen.

Ich vergeben gute 4 von 5 Sternen.


[Anzeige]

Titel: Boy in a White Room
Reihe: /
Autor*in: Karl Olsberg
Übersetzer*in: /
Verlag: Loewe
Erscheinungsdatum: 11. Oktober 2017
ISBN: 978-3785587805
empfohlenes Lesealter: 14 – 17 Jahre
Format: Taschenbuch (288 Seiten)
Preis: 14,95 Euro

[Rezension] VOX von Christina Dalcher

u1_978-3-10-397407-2© S. Fischer Verlag


Worum geht’s?

Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.
Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.
Aber das ist nicht das Ende.
Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurück erkämpfen. (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Neueren Studien zur Folge reden Frauen im Durchschnitt etwa 16.000 Wörter am Tag. Was passiert nun, wenn die Regierung dafür sorgt, dass Frauen nicht mehr als 100 Wörter am Tag sprechen dürfen? Jetzt, im 21. Jahrhundert.
Eine schreckliche Vorstellung, oder? Christina Dalcher nimmt sich in ihrem Debütroman “VOX” genau dieser Thematik an und zeichnet eine dystopische Welt, die furchterregend und gleichzeitig erschreckend realistisch ist.

Zuerst möchte ich gerne etwas zum Cover sagen, obwohl ich das in meinen Rezensionen eher selten erwähne. In diesem Fall finde ich das Cover sehr schlicht, aber äußerst aussagekräftig und das gefällt mir sehr gut. Das riesige rote X von “VOX”, das genau über dem Mund der abgebildeten Frau liegt, passt einfach perfekt zur Thematik.

Als ich begonnen hatte das Buch zu lesen, stellten sich mir drei Fragen:
1. Was genau passiert, wenn eine Frau die 100 Wörter am Tag überschreitet?
2. Wie kann die Regierung sicherstellen, dass Frauen auch wirklich nur 100 Wörter und nicht mehr sprechen?
3. Wieso “unterhalten” sich die Frauen nicht anders als verbal? Immerhin gibt es beispielsweise noch die Schriftsprache oder die Gebärdensprache.

Alle drei Fragen beantwortet die Autorin recht zügig. Und auch wenn sich dabei der ein oder andere Logikfehler eingeschlichen hat, wirkt die dystopische Welt dennoch in sich stimmig. Der Leser sollte nur nicht alles haarklein hinterfragen, sondern sich auf die Idee solch einer Welt einlassen.

Beim Lesen wurden mir recht schnell die Parallelen zum einstigen Nazi-Deutschland bewusst, was in US-Literatur allerdings nichts Ungewöhnliches zu sein scheint. Beispielsweise kommen homo- und transsexuelle Paare in Lager, um wieder “auf den rechten Weg zu finden” und “zur Besinnung zu kommen”.
Mir haben sich beim Lesen nicht nur ein Mal die Nackenhaare aufgestellt. In so einer Welt möchte ich ganz definitiv nicht leben. Jeder, der nicht männlich, gesund und heterosexuell ist, ist praktisch nichts wert und wird entweder beseitigt, zu unwürdigen Arbeiten gezwungen oder muss ein Dasein als stummes Heimchen am Herd führen.

Der ganze Roman ist aus Sicht der Protagonistin geschrieben, so dass sich ihre Gedanken und ihre Gefühlswelt vor dem Leser ausbreitet. Mich hat das Ganze ganz besonders emotional gepackt, da die Protagonistin Mutter ist und die Auswirkungen des Schweigens auf die Familie und besonders auf die kleine Tochter beschrieben wurden. Ich bin fast automatisch in die ihre Rolle geschlüpft und musste mir vorstellen, wie es mir mit meiner kleinen Tochter in so einer Welt gehen würde.

Was den Schreibstil angeht, bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn mochte oder nicht. Grundsätzlich hatte ich keine Schwierigkeiten damit und bin auch zügig durch die Geschichte gekommen, ich hatte nur manchmal das Gefühl, dass beim Schreiben etwas ausgelassen wurde oder ich etwas überlesen habe. Es gab zwei, drei Stellen im Buch, bei denen ich plötzlich den Zusammenhang zum vorherigen Geschriebenen nicht verstanden hatte und es dann einfach so abgetan habe, ohne wirklich zu verstehen, was gerade wieso passiert ist. Irritiert hat es mich leider trotzdem, so dass ich an diesen Stellen aus dem Lesefluss gekommen bin.

Leider muss ich auch sagen, dass ich etwas enttäuscht war vom Ende. Nicht weil es schlecht aufgelöst wurde, nein, eher weil es so plötzlich und im Verhältnis zu reibungslos kam. Irgendwie fiel alles an den richtigen Platz und das wirkte mitunter etwas zu konstruiert. Beginnt die Geschichte noch gemächlich und lässt sich relativ viel Zeit, hatte ich zum Ende hin den Eindruck, dass es der Autorin nicht schnell genug gehen konnte. Im Verhältnis war der Anfang zu langsam und das Ende zu schnell.

Mir persönlich hat die Message hinter dem Ganzen allerdings sehr gut gefallen. Die Autorin zeigt nicht nur ein Mal auf, was passieren kann, wenn (in diesem Fall) Frauen zu still sind und Dinge lieber hinnehmen als sie ändern zu wollen.

Fazit

Hinter “VOX” steckt eine intelligente, sehr wichtige und auch sehr interessante Thematik, dessen Umsetzung allerdings noch etwas Luft nach oben lässt. Für einen Debütroman muss ich allerdings sagen, dass Christina Dalcher das wirklich sehr gut gemacht hat. Wenn man kleine Logikfehler hinnimmt und akzeptiert, dass es sein kann, dass man beim Lesen ab und an stolpert, dann erwartet einen ein sehr lesenswerter Roman, der nicht nur für feministische Leser geeignet ist, sondern für jeden, den eine intelligente dystopische Welt mit viel Gesellschaftskritik interessiert.

Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.


[Anzeige]

Titel: VOX
Reihe: /
Autor*in: Christina Dalcher
Übersetzerinnen: Marion Balkenhol, Susanne Aeckerle
Verlag: S. Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 15. August 2018
Format: Gebunden mit Schutzumschlag (400 Seiten)
ISBN: 978-3-10-397407-2
Preis: 20,00€

[Rezension] Der Wille zur Macht von Lieke van der Linden

742029521


Worum geht’s?

Wie weit bist du bereit zu gehen?
Im Biotechnik-Konzern Jean&Parsley will der Nachwuchsforscher Jonas ganz nach oben. Doch er ist nicht der einzige. Ausgerechnet zusammen mit seiner Konkurrentin Akemi soll er unter großem Druck eine neue Weizensorte und ein dazu passendes Pflanzenschutzmittel entwickeln. Doch der Feldversuch in Äthiopien läuft aus dem Ruder, und Jonas erkennt, wozu Akemi fähig ist.
Derweil versucht die Biologin Ellen, den Tod ihres Verlobten aufzuklären, der bei einem ähnlichen Projekt auf unerklärliche Weise ums Leben kam. Schnell gerät sie dabei selbst in die Schusslinie … (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Ich habe bereits “Labskaus ist Liebe” von der Autorin gelesen und fand das Buch richtig gut. Besonders vom Schreibstil war ich begeistert. Mit “Der Wille zur Macht” hat sie sich an ihren ersten Thriller gewagt – genau genommen: ein Science Thriller.

Dr. Jonas Durham ist jung und ambitioniert. Er möchte schnell nach ganz oben und hofft dies bei seiner neuen Firma “Jean & Parsley” zu schaffen. Das Führungskräfte Programm der Unternehmensgruppe scheint vielversprechend. Doch als einer seiner Konkurrenten unter mysteriösen Umständen in Äthiopien stirbt, hört für Jonas der Spaß auf.
Um eine neue Weizensorte und das dazu passende Pflanzenschutzmittel zu entwickeln, scheinen einige Leute über Leichen zu gehen und schnell wird klar, dass es bei Jean & Parsley nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

Ich muss hier ehrlich zugeben, dass mich weder das Cover noch der Klappentext so richtig angesprochen haben. Als die Rezensionsanfrage der Autorin kam, habe ich vielmehr zugesagt, weil mir ihr letztes Buch so gut gefallen hat und ich ihren Schreibstil wirklich sehr gerne mag.
Beim Schreibstil gibt es auch in diesem Fall rein gar nichts zu meckern. Er ist flüssig und schön leicht, ohne dabei anspruchslos zu sein. Beim Lesen sorgte er dafür, dass sich mein Kopfkino aktivierte und das finde ich immer besonders gut.

Leider muss ich aber sagen, dass mir das Buch für einen Thriller insgesamt zu wenig spannend war. Ja, natürlich gab es spannende Passagen, wo ich das Buch nicht weglegen wollte, doch die waren, meiner Meinung nach, recht rar gesät. Für mich muss ein Thriller ein richtiger Pageturner sein. Ich muss Nägel kauend vor dem Buch sitzen und es nicht mehr aus der Hand legen wollen. Das war bei “Der Wille zur Macht” leider nicht so.
Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich keinen richtigen Zugang zu den Charakteren bekommen habe. Alle haben ihre Ecken und Kanten und sind daher sehr authentisch gezeichnet, doch sie waren mir einfach unsympathisch. Und wer meine Rezensionen regelmäßig verfolgt, weiß, dass es ein Buch schwer hat, wenn ich mit den Charakteren nicht warm werde.

Außerdem bin ich kein großer Freund davon, wenn ein Thriller am Ende noch so viele Fragen offen lässt und es dadurch nach einem zweiten Band schreit. Für mich sind und bleiben Thriller Einzelbände oder zumindest in sich abgeschlossene Fälle, die in Folgebänden einfach “nur” auf das selbe Ermittlerteam bzw. die selben Protagnisten zurückgreifen.
So habe ich jetzt das Gefühl ein ganzes Buch gelesen zu haben, ohne wirklich etwas signifikantes herausgefunden zu haben. Irgendwie ist das nicht sehr befriedigend für mein Leserherz.

Doch auch wenn sich die Rezension bisher recht negativ anhört, ist “Der Wille zur Macht” kein schlechtes Buch. Es ist, wie gesagt, sehr gut geschrieben und auch die Idee dahinter finde ich gut. Ich bin vermutlich einfach nur nicht die richtige Zielgruppenperson für diese Art von Buch gewesen. Für mich muss ein Thriller einfach viel schneller und spannender sein und insgesamt mehr Pfeffer haben.

Fazit

Leider konnte mich das Buch nicht ganz überzeugen, auch wenn mir der Schreibstil von Lieke van der Linden wieder sehr gut gefallen hat. Ich vermute, ich gehöre nicht so richtig zur anvisierten Zielgruppe, doch da es sich hier um eine subjektive Rezension/Meinung zum Buch handelt, kann ich wegen der oben genannten Kritikpunkte leider nicht mehr als 3 von 5 Sternen vergeben.


[Anzeige]

Titel: Der Wille zur Macht
Reihe: Band 1
Autor*in: Lieke van der Linden
Übersetzer*in: /
Verlag: /
Erscheinungsdatum: 04. Juli 2018
Format: eBook (254 Seiten)
ASIN: B07BZ3Y3NS
Preis: 1,99€

Vielen Dank an die Autorin, die mir das Buch als Rezensionsexemplar, im Gegenzug für meine ehrliche und subjektive Meinung, zur Verfügung gestellt hat.

[Rezension] Palace of Silk–Die Verräterin von C.E. Bernard

Bernard_CEPalace_of_Silk_2_183916©Penhaligon

Band 2 der Palace-Saga: es könnten Spoiler zum ersten Band vorhanden sein


Worum geht’s?

Die mutige Rea, zuerst Leibwächterin am englischen Königshof, dann heimliche Geliebte des Kronprinzen Robin, ist nach Paris geflüchtet. Dort erhofft sie sich ein neues Leben – insbesondere die Freiheit, andere Menschen ohne Strafe berühren zu dürfen. Denn in Frankreich leben gefürchtete Magdalenen wie Rea ihre Fähigkeiten offen aus. Doch als Ninon, Reas engste Vertraute und Schwester des Roi, ihre Freundin an den Königshof ruft, holt Rea der Fluch ihrer Vergangenheit ein: Niemand Geringeres als Prinz Robin erwartet sie – doch nicht, weil er Rea zurückgewinnen will, sondern weil er um Ninons Hand anhält. Welches Spiel spielt Robin? Und welches Geheimnis verbirgt die unnahbare Madame Hiver, die den französischen König in ihrer Hand hält? (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Oh, was habe ich mich auf die Fortsetzung dieser Reihe gefreut und eins kann ich euch jetzt schon verraten: ich wurde nicht enttäuscht! Ganz im Gegenteil sogar. Leider habe ich Trilogiemittelbände häufig als recht langweilige Lückenfüller erlebt, in denen kaum etwas passiert und ich hatte etwas Sorge, dass das hier auch der Fall sein könnte. Doch mitnichten! Band 2 der Palace-Saga ist spannend, interessant und vielschichtig.

Rea hat es geschafft und ist nach Paris geflüchtet. Endlich weg aus dem Land, das ihren Tod möchte. Am besten den Tod aller Magdalenen. Im Gegensatz zu Großbritannien leben Magdalenen ihre Fähigkeiten in Frankreich ganz offen aus und sind sogar offiziell im Königshaus angestellt. Die Menschen dürfen einander ohne Strafe berühren und alles wirkt irgendwie leichter, offener und freizügiger. Gleichzeitig ein einziger Kulturschock und eine große Befreiung für Rea. Das Leben in Paris ist so anders als in London.
Rea versucht mit aller Macht Robin – den englischen Kronprinzen – aus ihrem Leben zu streichen, doch so einfach ist das leider nicht, denn sie liebt ihn immer noch und sehnt sich nach ihm. Doch sie können nicht zusammen sein und ihr letztes Aufeinandertreffen hinterließ tiefe Spuren: Robin verabscheut Magdalenen und damit auch Rea.
Als jedoch plötzlich Robin in Paris am königlichen Hof auftaucht, wirft das Rea völlig aus der Spur. Er ist gekommen, um um Ninons Hand anzuhalten. Der Besuch des englischen Kronprinzen bringt viel Aufruhr in Rea und in ganz Paris.

Ich muss ehrlich sagen, dass es mir mit dem zweiten Band der Palace-Saga ähnlich ging wie mit dem ersten. Ich brauchte ein wenig Zeit um in die Geschichte zu finden und empfand die ersten 100 Seiten als etwas langatmig, doch dann konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Ich wollte unbedingt wissen wie es weiter geht und was mit den Charakteren passiert. Ich habe mich richtig auf meine Lesezeit gefreut und mich nach Paris zurückgesehnt und das ist bei mir eigentlich immer ein Zeichen dafür, dass mir ein Buch so richtig gut gefällt.
Beim Lesen selber war ich richtiggehend Teil der Geschichte. Ich konnte mich sehr gut in die einzelnen Charaktere hineinversetzen und habe mich – in meinem eigenen kleinen Kopfkino – im Paris von Rea, Ninon, Blanc und den anderen befunden.

Ich mochte wieder alle Charaktere auf ihre eigene Art und Weise. Sie sind so schön vielschichtig gezeichnet und das macht sie ganz besonders. Auch wenn ich Rea und Robin als Protagonisten sehr interessant finde, hängt mein Herz wieder einmal an den Nebencharakteren. Ach, ich liebe Ninon, Blanc, Liam und sogar den Comte. Mit René kam ein neuer, ganz wundervoller Charakter hinzu, der sich auch sofort in mein Herz gestohlen hatte.
Die Charaktere sind wirklich vielschichtig und manchmal muss man ganz genau gucken, um alle Nuancen zu entdecken. Und sie sind irgendwie so anders als die “typischen” Charaktere in Büchern. Gerade das Dreiergespann Comte, Blanc und René fand ich deswegen großartig.

Das Ende des Buches macht echt Lust den letzten Band zu lesen und zwar am besten sofort.

Fazit

“Palace of Silk” ist ein ganz wundervoller Mittelband, der zwar etwas leise anfängt, aber bis zum Ende hin immer lauter wird und in einem Feuerwerk an Emotionen endet. Die Autorin erzählt so viel durch und mit ihren Charakteren. Die gesamte Weltengestaltung gefällt mir ausgesprochen gut, ebenso die Umsetzung.
Ich mochte den zweiten Band sehr und hoffe, dass der dritte Band fulminant enden wird.

Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.


[Anzeige]

Titel: Palace of Silk: Die Verräterin
Autorin: C.E. Bernard
Übersetzerin: Charlotte Lungstrass-Kapfer
Verlag: Penhaligon
Erscheinungsdatum: 29. Mai 2018
Format: Klappenbroschur (448 Seiten)
Empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-7645-3197-3
Preis: 14,00€
Vielen Dank an den Penhaligon Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar, im Gegenzug für meine ehrliche und subjektive Meinung, zur Verfügung gestellt hat.

[Rezension] Heliopolis: Magie aus ewigem Sand von Stefanie Hasse

Heliopolis©Loewe Verlag


Worum geht’s?

Akasha ist die Prinzessin von Heliopolis. An ihrem 16. Geburtstag wird sie eine der acht magischen Gaben erhalten und mit Riaz vermählt werden. Doch Akasha bekommt nur das Leere Zeichen in den Nacken gebrannt. Keine Gabe! Keine Magie! Zu allem Überfluss droht nun eine Hochzeit mit dem arroganten Dante. Um den Makel auszumerzen, schickt ihr Vater sie in einer wichtigen Mission auf die Erde.
Dort soll die sechzehnjährige Hailey eine Ausstellung mit antiken Artefakten organisieren. Aber wieso versteht sie plötzlich sumerisch? Und warum kann sie Keilschrift lesen?
In ihrem spannenden Doppel-Drama um Akasha und Hailey entführt Stefanie Hasse ihre Leserinnen erneut in eine Welt voller Magie, in der nichts so ist, wie es zunächst scheint. (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Ja, das Buch wird gerade so richtig gehypt. Aber soll ich euch mal etwas sagen? – Zurecht! Das Buch wird zurecht gehypt.
Auch wenn ich das Fazit nun etwas vorweg nehme: Heliopolis gehört definitiv zu den bisherigen Highlights meines Lesejahres und ich kann es kaum erwarten bis der zweite Band erscheint.

Akasha, die Prinzessin von Heliopolis wartet ganz aufgeregt auf ihre Initiation. Der Moment, der über ihre Zukunft bestimmt. Welche Gabe wird sie haben? Welchem Haus angehören? Der 16. Geburtstag und damit der Initiationstag aller Jugendlichen, ist einer der aufregendsten Tage überhaupt.

(mehr …)

[Rezension] Arthur und die Farben des Lebens von Jean-Gabriel Causse

Causse_J-GArthur_und_die_Farben_183706© C. Bertelsmann Verlag


Worum geht’s?

Von einem Tag auf den anderen verschwinden die Farben von der Erde. In dieser neuen Welt in Schwarz-Weiß setzt sich ein kurioses Duo in den Kopf, die Menschheit aus der Depression zu retten – eine abenteuerliche Suche nach den Farben beginnt. Arthur ist eine gestrandete Existenz mit unwiderstehlichem Charme, der in einer Buntstiftfabrik arbeitet, bis diese Konkurs anmelden muss. Charlotte ist seine Nachbarin. Sie ist von Geburt an blind und hat sich als Wissenschaftlerin auf ein Gebiet spezialisiert, das sie niemals sehen konnte: Farben. Sie werden unterstützt von einem kleinen Mädchen mit einer geheimnisvollen Gabe, einem New Yorker Taxifahrer und den Bewohnern eines Altenheims, das an eine Ferienkolonie erinnert. Auf ihren Fersen ist eine Horde von Nichtsnutzen im Auftrag der chinesischen Mafia … (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Habt ihr euch schon einmal Gedanken darum gemacht wie unsere Welt aussehen würde, wenn alle Farben verschwunden wären. Ja, klar – schwarz, weiß und grau. Doch das meine ich nicht. Bevor ich “Arthur und die Farben des Lebens” gelesen habe, waren Farben für mich komplett selbstverständlich. Erst durch das Buch ist mir bewusst geworden, was für einen Einfluss sie auf unser gesamtes Leben haben und das hat mir zu denken gegeben.

Arthur hatte einst das Glück nur so gepachtet, bis es ihn eines Tages ganz plötzlich verließ. Er verlor seinen Job, wurde Alkoholiker und lies sich gehen. Als das Amt nun droht seine Zuwendungen zu streichen, nimmt Arthur notgedrungen einen tristen Job in einer Buntstiftfabrik an. Doch eben diese Fabrik meldet schon nach kurzer Zeit Konkurs an. Am letzten Tag bevor die Maschinen endgültig abgeschaltet werden, folgt Arthur einem Impuls und kippt alle verbleibenden Farbpigmente in die Mischung für die Buntstifte – noch nie zuvor hat er solch intensiv leuchtende Farben gesehen. Doch diese Freude wärt nicht lange, denn nach und nach verschwinden plötzlich alle Farben. Zuerst das Gelb und dann der Rest, bis die Menschheit nur noch in schwarz, weiß und grau existiert.

(mehr …)

[Rezension] Alles so leicht von Meg Haston

9783551316110©Carlsen Verlag


Worum geht’s?

Stevie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist fest entschlossen, aus diesem Körper, aus diesem Leben zu verschwinden. Aber alle wollen sie daran hindern. Ihr Vater, der sie ins Therapiezentrum einweisen ließ. Anna, die so ganz anders ist als die anderen Seelenklempner. Und selbst den Mädchen, mit denen sie ein Zimmer und ein Schicksal teilt, fühlt sich Stevie jeden Tag näher. Aber sie wird sich nicht öffnen, sie hat schließlich einen Plan. (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Nachdem mir das Buch schon häufiger über den Weg gelaufen ist, wurde es nun endlich Zeit es zu lesen. “Alles so leicht” ist frisch als Taschenbuch im Carlsen Verlag erschienen und das war der Moment, wo es auch bei mir einziehen durfte und natürlich auch gelesen wurde.
Ich persönlich finde es richtig gut, dass dieses Buch nun als recht günstiges Taschenbuch erschienen ist, da ich es für ein Buch mir sehr wichtiger Thematik halte, das definitiv als Schullektüre eingesetzt werden kann. Und da wir wissen, dass Schullektüre nicht so teuer sein darf/sein sollte, finde es ganz wunderbar, dass Carlsen das Buch in neuem Format auf den Markt gebracht hat.

Stevie ist essgestört und hat nach dem Tod ihres Bruders beschlossen selber auch aus dem Leben zu scheiden – sich einfach aufzulösen. Nichts mehr essen, bis ihr Körper aufgibt und sie einfach aus dem Leben verschwinden kann. Stevie gibt sich die Schuld an dem Tod ihres Bruders und möchte mit ihren Taten Buße tun. Doch ihre Essstörung hat schon viel früher begonnen – ab dem Zeitpunkt, an dem ihre Mutter gegangen ist.
Stevies Vater lässt sie in ein Therapiezentrum einweisen und um diese Zeit in dem Therapiezentrum geht es in “Alles so leicht”. Stevie hat einen felsenfesten Plan gefasst und den möchte sie unter allen Umständen durchziehen. Sie möchte sich weder ihrer Therapeutin öffnen noch die anderen Mädchen aus ihrem Bungalow emotional an sich ranlassen. Sie verweigert auch im Therapiezentrum die Nahrung, damit sie ihren fest gefasten Plan auch einhalten kann. Doch mit jedem Tag, den sie im Zentrum verbringt, lernt sie Neues über sich und fasst Vertrauen sowohl zu ihrer Therapeutin als auch zu den anderen Mädchen. Nie im Leben hätte Stevie das für möglich gehalten.

“Alles so leicht” ist meiner Meinung nach ein wichtiges Buch, aber es ist definitiv kein einfaches Buch. Es ist schonungslos, ungeschönt und teilweise echt schwer zu verdauen. Zumindest mir ging es beim Lesen so. Ich habe die Charaktere und die Thematik an mich herangelassen und war beim Lesen des Buches sehr häufig sehr bedrückt. Zum Ende hin habe ich sogar Tränen vergossen.

Anders als der Titel ist das Buch nicht leicht, auch wenn es dennoch voller Hoffnung ist. Es ist definitiv ein Buch über das nach dem Lesen gesprochen werden muss – ein Buch, das noch lange nachhallt.

Da die Charaktere fast alle mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen haben, sind sie nicht unbedingt einfach und auch nicht unbedingt immer sympathisch. Aber genau das macht sie auch so authentisch; und genau das ist dieses Buch – authentisch. Ich habe mich richtig gut in den Kopf einer essgestörten 17-Jährigen versetzt gefühlt und dort zu sein ist kein schönes Gefühl.
Die Autorin hat Stevies innere Kämpfe sehr gut beschrieben und uns während des gesamten Buches an ihrem Innenleben teilhaben lassen.

Meg Hastons Schreibstil ist poetisch und gleichzeitig knallhart. Ich brauchte beim Lesen zeitweise recht viel Konzentration, um dem Geschriebenen folgen zu können. Es ist kein Buch, das man mal eben nebenher liest. Man muss sich mit dem Gelesenen definitiv beschäftigen und dazu passen sowohl Schreibstil als auch die Umsetzung des Buches perfekt.

Fazit

“Alles so leicht” ist authentisch, schonungslos und ehrlich. Es ist definitiv keine weichgespülte Geschichte und hat mir auf jeden Fall die Augen geöffnet. Ich denke, ich weiß nun etwas besser, was es heißt nichts mehr essen zu wollen. Was es heißt, wenn Essen und Kalorien auf eine krankhafte Art und Weise das gesamte Leben bestimmen. Es ist heftig und ich bin mir sicher, dass mich das Buch noch eine ganze Weile beschäftigen wird.

Von mir gibt es gute 4 von 5 Sternen.


[Anzeige]

Titel: Alles so leicht
Reihe: /
Autorin: Meg Haston
Übersetzerin: Alexandra Ernst
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 28. Juni 2018
Format: Taschenbuch (320 Seiten)
Empfohlenes Alter: ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-551-31611-0
Preis: 7,99€

Vielen Dank an den Carlsen Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar, im Gegenzug für meine ehrliche und subjektive Meinung, zur Verfügung gestellt hat.

[Rezension] Save you von Mona Kasten

Kasten_Save_FIN.indd©Lyx Verlag


Band 2 – es sind Spoiler zu Band 1 vorhanden!


Worum geht’s?

„Du hast mir das verdammte Herz rausgerissen. Und ich hasse dich dafür.

Aber ich liebe dich auch, und das macht das Ganze so viel schwerer.“

Ruby ist am Boden zerstört. Noch nie hatte sie für jemanden so tiefe Gefühle wie für James. Und noch nie wurde sie so verletzt. Sie wünscht sich ihr altes Leben zurück ― als sie auf dem Maxton Hall College niemand kannte und sie kein Teil der elitären und verdorbenen Welt ihrer Mitschüler war. Doch sie kann James nicht vergessen. Vor allem nicht, als dieser alles daransetzt, sie zurückzugewinnen … (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Band 1 endete mit einem wirklich fiesen Cliffhanger, daher war ich umso gespannter darauf, wie Mona Kasten die Geschichte um Ruby und James weiter erzählen wird. Während ich den ersten Band, u.a. aufgrund seiner Schnelligkeit sehr mochte, hatte ich hier im zweiten Band ein paar Schwierigkeiten mit der langsamen Vorgehensweise der Autorin.

Gerade als Ruby sich James voll und ganz geöffnet und hingegeben hatte, passiert etwas Schreckliches und James macht all das Vertrauen, dass die beiden zueinander aufgebaut haben durch einen dummen Fehler wieder zunichte.
Ruby ist verletzt und gedemütigt und möchte James um jeden Preis vergessen und aus ihrem Leben streichen. Doch so einfach geht das leider nicht, denn ihre Gefühle für James verschwinden einfach nicht. Als dieser dann noch alles daran setzt sie zurückzugewinnen, wird es für sie erst so richtig kompliziert.

(mehr …)

[Rezension] Nicht weg und nicht da von Anne Freytag

Freytag_ANicht_weg_und_nicht_da_188064©Heyne Verlag


Worum geht’s?

Den Anfang kannst du nicht ändern, das Ende schon

Nach dem Tod ihres Bruders macht Luise einen radikalen Schnitt: Sie trennt sich von ihrem mausgrauen Ich und ihren Haaren. Übrig bleiben drei Millimeter und eine Mauer, hinter die niemand zu blicken vermag. Als Jacob und sie sich begegnen, ist er sofort fasziniert von ihr. Doch Luise hält Abstand. Bis sie an ihrem sechzehnten Geburtstag aus heiterem Himmel eine E-Mail von ihrem toten Bruder bekommt – es ist die erste von vielen. Mit diesen Nachrichten aus der Zwischenwelt und dem verschlossenen Jacob an ihrer Seite gelingt es Luise, inmitten dieser so aufwühlenden wie traurigen Zeit das Glitzern ihres Lebens zu entdecken … (Quelle) [Anzeige]


Meine Meinung zum Buch

Alle 53 Minuten nimmt sich ein Mensch das Leben. Das sagt die Statistik. Was sie nicht sagt, ist, wie es sich für die anfühlt, die bleiben.
[…]
In „Nicht weg und nicht da“ geht es nicht um einen Selbstmord. Es geht um das Danach. Um die verschiedensten Arten von Liebe. Und um das Leben – nach dem Tod. (Quelle: Anne Freytags Essay zum Buch)

Anne Freytag schreibt wirklich einzigartig. Meiner Meinung nach eine der besten deutschen Autorinnen. Alleine am obigen Zitat könnt ihr ihren wundervollen Schreibstil schon erkennen.
”Nicht weg und nicht da” ist mein zweites Buch von Anne Freytag und ich habe es geliebt.

In dem Buch geht es hauptsächlich um Luise und Jacob – zwei junge Menschen, die bereits früh Bekanntschaft mit dem Schicksal gemacht haben.
Luises Bruder hat Selbstmord begangen und als wäre das nicht schon schlimm genug, war es auch noch Luise selber, die ihn gefunden hat. Luise versucht dieses Erlebns damit zu verarbeiten, dass sie sich von ihrem alten, mausgrauen Ich trennen möchte – sie rasiert sich eine Glatze und lässt sich ein Piercing stechen, doch wirklich geholfen hat ihr das nicht mit dem Tod ihres Bruders fertigzuwerden.
Nach einer ihrer Therapiestunden begegnet sie Jacob und beide sind sofort fasziniert voneinander. Jacob, der “silent angry boy”, der Junge, der niemanden an sich heranlässt und ständig einen wütenden Eindruck macht.
An ihrem 16. Geburtstag erhält Luise aus heiterem Himmel eine E-Mail von ihrem toten Bruder, mit einer Aufgabe. Es ist die erste E-Mail von vielen. Zusammen mit Jacob macht sie sich an die Erledigung der Aufgaben.

Nein, bei “Nicht weg und nicht da” handelt es sich nicht um einen Mystery-Roman. Luises Bruder spricht nicht plötzlich aus dem Reich der Toten zu ihr. Er hat noch vor seinem Tod eine ganze Reihe an E-Mails geplant, damit es Luise einfacher fällt von ihrem toten Bruder Abschied zu nehmen – sofern man hier überhaupt von einfach reden kann.

“Nicht weg und nicht da” ist ein ganz besonderes Buch. Trotz der schweren Thematik ist das Buch gar nicht schwer. Es lässt sich wunderbar schnell und einfach lesen. Ich bin regelrecht durch die kurzen Kapitel gerast und habe zusammen mit Luise Abschied von ihrem Bruder genommen.
Das Buch ist ganz klar emotional, aber nicht bedrückend. Es ist ein Buch voller Hoffnung, Liebe, Freundschaft und natürlich auch über die Wichtigkeit von Trauer. Und wie Anne Freytag selber bereits erwähnt hat, ist es ein Buch über das Leben nach dem Tod eines Verstorbenen. Über etwas, über das in der Regel geschwiegen wird. Meiner Meinung nach ist es ein ganz wundervolles und auch wichtiges Buch. Es zeigt, was es bedeutet ein Hinterbliebener eines Menschen zu sein, der den Freitod gewählt hat.

Auch in diesem Buch von Anne Freytag sind die Charaktere wieder sehr authentisch und tief gezeichnet. Der Leser erfährt viel vom Innenleben der einzelnen Personen und begleitet die Charaktere in ihrer Entwicklung. Was mir besonders gut gefällt, ist die Authentizität – die Ecken und Kanten, die jeder Charakter nun einmal hat.

Wie bereits erwähnt, hat Anne Freytag einen ganz besonderen Schreibstil. Ich liebe ihn. Er ist gleichzeitig ernst, voller Poesie und doch so leicht und flüssig, dass ich das Buch in kürzester Zeit fertig gelesen hatte.
Ich habe direkt nach “Nicht weg und nicht da” ein neues Buch einer anderen deutschen Autorin begonnen und da wurde mir der Unterschied zwischen den beiden Schreibstilen erst so richtig bewusst.
Falls ihr noch kein Buch von Anne Freytag gelesen haben solltet, dann möchte ich euch sehr gerne ans Herz legen, dies so bald es geht nachzuholen.

Fazit

Auch Anne Freytags neuster Jugendroman ist wieder ein ganz besonderes Werk geworden. Je mehr Bücher ich von ihr lese, desto mehr verstehe ich selber, wieso sie zu einer meiner Lieblingsautorinnen geworden ist.
Sie schreibt voller Poesie, wählt die Worte mit Bedacht und schafft es dennoch den Leser nicht zu überfordern, sondern da abzuholen, wo er steht und ihn für ein paar Stunden mit in das Leben anderer Personen zu nehmen.
”Nicht weg und nicht da” ist meiner Meinung nach wieder ein rundum gelungener Roman aus Anne Freytags Feder, den ich jedem an’s Herz legen möchte.

Von mir gibt es 5 von 5 Sternen und damit eine ganz klare Leseempfehlung.


[Anzeige]

Titel: Nicht weg und nicht da
Autorin: Anne Freytag
Verlag: Heyne fliegt
Erscheinungsdatum: 19. März 2018
Format: Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen (480 Seiten)
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-453-27159-3
Preis: 16,00€


Weitere Meinungen zum Buch

Du hast eine Rezension zu “Nicht weg und nicht da” geschrieben“? – Dann immer her mit dem Link!